04.05.2018

20 Jahre Liberalisierung – 80 Prozent Regulierung

Energieversorger haben kaum Einfluss auf Strompreis

Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke, sieht den Wettbewerb auf dem Strommarkt durch immer mehr Abgaben und Umlagen gefährdet. (Bild Städtische Werke AG)

Kassel, 4. Mai 2018. An der Zapfsäule der Tankstellen verraten Aufkleber häufig, was der größte Kostenblock ist: Steuern und Umlagen. An den meisten Steckdosen klebt solch eine Information nicht. Wenn doch, wäre die Aussage ähnlich: 80 Prozent des Strompreises kann der Stromversorger nicht beeinflussen. 80 Prozent sind staatlich festgesetzte Steuern, Abgaben oder Durchreichposten. Lediglich 20 Prozent des Gesamtstrompreises liegen im Einflussbereich beispielsweise der Städtischen Werke.

Das Energiebranchenblatt Energie & Management hat eine Übersicht des Statistik-Portals Statista veröffentlicht, die die einzelnen Kostenbestandteile aufschlüsselt. Die Angaben basieren auf Daten der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke, ärgert sich: „Die Liberalisierung vor 20 Jahren sollte die Preise günstiger machen, weil Wettbewerb entsteht. Das Gegenteil ist der Fall, weil immer mehr Abgaben und Umlagen eingeführt wurden. Preisliche Differenzierung kann lediglich an der kleinsten Kostenposition erfolgen.

Viel Spielraum ist so nicht vorhanden.“ Letztlich führe diese Situation häufig dazu, dass Kunden sogar deutlich mehr zahlen müssten. „Wenn über den Preis kein echter Wettbewerb ausgetragen werden kann, wird oft in die Trickkiste gegriffen. Boni, Rabatte und günstige Konditionen locken die Kunden zu Vertragsbeginn – und nach einem Jahr folgt eine versteckte, aber deutliche Preiserhöhung“, erklärt Maxelon, wie viele der selbsternannten Billiganbieter vorgehen.

Und durch den Milliardendeal zwischen Eon und RWE werde es für den Verbraucher auch absehbar nicht besser. „Denn aus zwei Wettbewerbern werden nun zwei Großkonzerne mit verschiedenen Geschäftsfeldern: Vertrieb und Netzbetrieb sowie Energieerzeugung. Hier wird Wettbewerb verhindert. Das ist nicht im Sinne der Kunden, wenn zwei Branchenriesen große Marktsegmente dominieren“, so der Werke-Vorstandschef.

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