01.08.2014

Städtische Werke-Bilanz 2013: Mehr Umsatz und höherer Gewinn

Auebad und Windpark Söhrewald/Niestetal unterstreichen Wachstumsstrategie

Kassel, 17. Juli 2014. Das Wichtigste in Kürze: höheres Ergebnis, mehr Umsatz, Eröffnung des Auebads im Juli 2013 und erster Windstrom aus eigenen Anlagen im Kasseler Netz seit Dezember 2013.

 

Die Städtische Werke AG hat das Geschäftsjahr 2013 mit einem Ergebnisplus abgeschlossen. Vor Ergebnisübernahme der Städtische Werke Netz + Service GmbH (NSG) und der Städtische Werke Energie + Wärme GmbH (EWG), vor der Ausgleichszahlung an den Minderheitsaktionär Thüga AG und vor anteiligen Ertragsteuern lag das Ergebnis bei 6,4 Millionen Euro.

 

Die in die NSG ausgegliederte Techniksparte hat wie im Vorjahr 10,3 Millionen Euro erwirtschaftet, die Kraftwerkstochter EWG 1,8 Millionen Euro. In Summe haben die Städtischen Werke und ihre Tochtergesellschaften ein Ergebnis von 18,5 Millionen Euro erzielt, im Vorjahr waren es 17,6 Millionen Euro. „Trotz starken Wettbewerbs haben wir auch im vergangenen Geschäftsjahr unser Ergebnis verbessert. Die Strategie, unsere Geschäftsfelder aber auch unser Vertriebsgebiet auszuweiten, zahlt sich aus. Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken“, erklärte Städtische Werke-Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig.

 

Die Gesamterträge der Städtische Werke AG lagen im Geschäftsjahr 2013 bei 485,9 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 444,9 Millionen Euro. Gründe für den starken Anstieg waren die höhere EEG-Umlage mit 5,277 Cent pro Kilowattstunde (kWh), Vorjahr 3,592 Cent pro kWh, sowie Kundengewinne innerhalb und außerhalb des Kasseler Netzgebietes. Die NSG erwirtschaftete Gesamterträge über 123,6 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 128,3 Millionen Euro. Das Jahresergebnis wurde an die die Städtische Werke AG als Muttergesellschaft abgeführt. Die Fernwärmetochter EWG erzielte mit Fernwärme 40,8 Millionen Euro, mit Strom 9,2 Millionen Euro Umsatzerlöse, in Summe lagen sie bei 58,1 Millionen Euro, Vorjahr 58,6 Millionen Euro.

 

Helbig führt das wiederholt gute Ergebnis auf den konsequenten Wachstumskurs des Unternehmens zurück. Vor allem der Strom- und Gasvertrieb im Haushalts- aber auch Geschäftskundenbereich wuchs weiter. „Wir haben mittlerweile im externen Geschäft über 50.000 Verträge mit Privat- und Gewerbekunden abgeschlossen. Hinzu kommt unserer wachsendes Geschäft mit Energiedienstleistungen und das Geschäft mit erneuerbaren Energien.“ Interessant sei das externe Geschäft wegen des hohen Verbrauchs dieser Kunden: „Der Absatz ist fast so hoch, wie der an unsere 100.000 Kasseler Kunden“, so Helbig.

 

Der erfolgreiche Energievertrieb außerhalb Kassels, vor allem aber der Ausbau der Energiedienstleistungen und der erneuerbaren Energien, wirkten sich auch leicht positiv auf die Zahl der Mitarbeiter in den Unternehmen der Energiesparte aus. Die AG, die Netzgesellschaft sowie die Fernwärmegesellschaft beschäftigten im Jahresdurchschnitt 903 Mitarbeiter – zuzüglich der 35 Auszubildenden.

 

Im Vorjahr hatten die drei Gesellschaften inklusive der Auszubildenden 936 Mitarbeiter. Durch die Ausgliederung der Netzgesellschaft im Jahr 2011 wurden etwa 80 ehemalige Mitarbeiter der Städtischen Werke in den Zentralabteilungen der Muttergesellschaft Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) angesiedelt.

 

Erneuerbare Energien – Wachstum in Nordhessen

Den Ausbau der erneuerbaren Energien im großen Stil hat sich das Unternehmen schon vor Jahren vorgenommen. Der Investitionsschwerpunkt lag bis 2012 bei Biogasanlagen, seitdem steht der Ausbau der Windkraft in Nordhessen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Nach umfangreichen Windmessungen begann im Sommer 2013 der Bau der ersten sieben Windkraftanlagen der 3-Megawattklasse an den beiden Standorten Söhrewald und Niestetal. Seit Dezember speisen die fünf Anlagen im Söhrewald Strom in das neu am Standort Kraftwerk Dennhäuser Straße errichtete Umspannwerk ein.

 

Die beiden Anlagen in Niestetal gingen im Januar 2014 ans Netz. Die sieben Windkraftanlagen haben eine Kapazität von rund 21 Megawatt, werden etwa 50 Gigawattstunden pro Jahr produzieren und damit rechnerisch 17.000 Haushalte mit Strom versorgen. Helbig zur Gesamtinvestitionshöhe: „Derzeit prüfen wir die letzten Rechnungen. In Summe werden wir für beide Standorte und den PV-Park in Niestetal bei etwa 38 Millionen Euro liegen. Eine gute Investition, denn die ersten Winderträge liegen erkennbar über den Erwartungen.“

 

Zwei konkrete weitere Projekte gehen nach Angaben des Werke-Chefs jetzt in die Genehmigungsverfahren. Der Windpark Rohrberg mit bis zu fünf Anlagen sowie das Projekt Stiftswald mit bis zu neun Windkraftanlagen. „83 Millionen Euro wollen wir investieren. Und auch das wird eine sinnvolle Investition sein. Denn wir investieren vor Ort, produzieren in der Region den Strom, den wir hier verbrauchen, wir schaffen Arbeitsplätze und steigern die Wertschöpfung und nicht zuletzt beteiligen wir die Bürger an den Windparks.

 

All unsere Projekte sind von Anfang an für die Beteiligung von Bürgerenergiegenossenschaften ausgelegt“, so Helbig. Weitere Projekte sind mit den Partnern aus der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) geplant. Ziel sei, bis zu 80 Prozent des in Kassel benötigten Stroms aus eigenen Anlagen und vorwiegend aus erneuerbaren Quellen zu decken.

 

Die Städtischen Werke haben eine eigene Abteilung für die Projektierung, den Bau und den Betrieb von Wind- und Photovoltaikparks mit insgesamt acht Mitarbeitern aufgebaut – 7,5 planen und betreiben die Biogasanlagen des Unternehmens. Darin unterscheidet sich das nordhessische Stadtwerk grundlegend von anderen kommunalen Versorgern.

 

Andreas Helbig zum Kasseler Ansatz: „Wir machen fast alles selbst. Damit schaffen wir Know-how und Kompetenz vor Ort. Andere Stadtwerke dagegen kaufen fertige Windparks oder holen sich Projektentwickler ins Boot.

 

Wir brauchen das nicht. Wir bringen unsere Erfahrungen aus Kraftwerks- und Netzbau ein. Das stärkt uns als Unternehmen und das stärkt die Region.“

 

Umsätze

Der Umsatz der Städtischen Werke ist im Vergleich zum Vorjahr um 39,7 Millionen auf 446,4 Millionen Euro gestiegen. Hauptursache waren gestiegene Erlöse in der Stromsparte mit 201,4 Millionen Euro, ausgelöst durch eine erneut gestiegene EEG-Umlage. In der Gassparte sank der Erlös auf 164,8 Millionen Euro, Vorjahr 178,7 Millionen Euro. Gründe sind leichte Verluste bei Standardlastprofilkunden, Mengenverluste im Kasseler Netzgebiet und der anhaltende Margendruck bei Sondervertragskunden.

 

Außerhalb der Kernsparten erwirtschaftete die Städtische Werke AG im Geschäftsjahr Umsatzerlöse in Höhe von 25,1 Millionen Euro, Vorjahr 7,9 Millionen Euro. Der Anstieg begründet sich hauptsächlich in dem Verkauf der Biogasanlage Leizen an die Biogas Müritz GmbH & Co. KG. Die Umsatzerlöse der Bäder bewegten sich aufgrund der Eröffnung des Kombibads mit 1,1 Millionen Euro weit über dem Vorjahresertrag mit 0,6 Millionen Euro.

 

Umsatzerlöse der Kernsparten Städtische Werke

 

Sparte

2013 in Mio. €

2012 in Mio. €

Strom

201,4

170,3

Gas

164,8

178,7

EDL

17,6

15,8

Wärme

37,6

35,0

Gesamt

421,4

399,8

 

Die Umsatzerlöse der NSG beliefen sich im Geschäftsjahr 2013 auf 115,8 Millionen Euro, Vorjahr 119,8 Millionen Euro. Wichtigstes Geschäftsfeld ist der Betrieb der Strom- und Gasnetze. Aus dem Pacht- und Dienstleistungsvertrag mit KASSELWASSER für die Wasserbetriebsführung erwirtschaftete die NSG im Geschäftsjahr 2013 Erlöse von 22,2 Millionen Euro.

 

Umsatzerlöse der Kernsparten NSG

 

Sparte

2013 in Mio. €

2012 in Mio. €

Stromnetz

48,3

46,7

Strom, sonstige Tätigkeiten

1,8

1,8

Gasnetz

26,5

32,1

sonstige Tätigkeiten

39,2

39,2

(davon Wasser)

22,2

22,3

Gesamt

115,8

119,8

 

Absatzmengen

 

Sparte

2013

2012

Strom (im Netzgebiet)

897,3 GWh

904,7 GWh

Gas (inkl. Weiterverteiler)

2.304,4 GWh

2.331,1 GWh

Wasser (inkl. KASSELWASSER)

10.783 Tsd. m3

10.895 Tsd. m3

 

Angaben beziehen sich auf genutzte Abgaben im Netzgebiet

 

Investitionen

Die Städtische Werke AG investierte im Jahr 2013 in Summe 39,9 Millionen Euro.

Schwerpunkte waren der Bau des Auebads und des Windparks Söhrewald/Niestetal. Die Städtische Werke Netz + Service GmbH investierte 29,7 Millionen Euro, schwerpunktmäßig in die Optimierung und Erneuerung der Strom-, Gas- und Wassernetze. Ein wichtiges Projekt war der Ausbau des Umspannwerks Süd. Unter anderem wurden eine neue Hochspannungsschaltanlage und zwei neue 110/10-kV-Transformatoren errichtet. Die Höhe der Investitionen lag bei 1,8 Millionen Euro. Parallel wird seit Mitte 2013 das Umspannwerk Ost ausgebaut und ebenfalls mit einem 110/10-kV-Transformator erweitert. Für 1,6 Millionen Euro wurde ein neues Hochspannungskabel zwischen beiden Umspannwerken verlegt.

 

Das für die Kasseler Trinkwasserversorgung wichtigste Projekt war der Umbau beziehungsweise die Sanierung des Hochbehälters Kratzenberg. Der Umbau erfolgte in zwei Abschnitten. Seit Sommer 2013 ist die erste Wasserkammer in Betrieb, die zweite Kammer wurde im April 2014 fertig gestellt. Besondere Herausforderung war, den Umbau bei laufendem Betrieb zu bewerkstelligen. Trotz der Bauarbeiten versorgte der Behälter die Kasseler Bürger mit Wasser.

 

Die Städtische Werke Energie + Wärme GmbH investierte 2013 14,9 Millionen Euro. Investitionsschwerpunkt war die Modernisierung am Standort Heizkraftwerk Mittelfeld (HKW-M). Es produziert seit 2013 als Biomasseheizkraftwerk nach EEG, der Strom wird entsprechend vermarktet. Eine neue Holzaufbereitung stellt seit dem zweiten Quartal 2013 Holz von höherer Qualität zur Verfügung, damit steigen die Anlagenverfügbarkeit und die Gesamtauslastung. Im Mai 2012 begann der Bau eines des neuen Heizwerkes am Standort Mittelfeld, hinzukommen zwei weitere Spitzenlast- und Reservekessel. Seit September 2013 kann das HKW-M Fernwärme in das Kasseler Fernwärmenetz einspeisen.

 

Investitionen

Sparte

2013 in Mio. €

2012 in Mio. €

Strom NSG

13,6

8,8

Gas NSG

4,6

3,3

Wasser NSG

5,5

5,5

Sonstige NSG

6,0

4,2

Energiedienstleistungen STW

7,0

1,4

Sonstige STW

32,9

13,2

Leitungsnetz EWG

3,1

6,5

Erzeugung EWG

9,3

6,5

Sonstiges EWG

2,5

0,7

Gesamt

84,5

50,1

 

Neue Versorgungswerke in Nordhessen

Viele nordhessische Kommunen gründen wieder eigene kommunale Stadt- oder Versorgungswerke. Gewinne werden vor Ort gehalten, die Wertschöpfung steigt und qualifizierte Arbeitsplätze entstehen beziehungsweise werden erhalten. Die Städtische Werke AG hat in den vergangenen Jahren nordhessische Kommunen auf diesem Weg bereits sehr erfolgreich unterstützt. Der Kasseler Versorger bietet sich dabei als Dienstleister oder Partner für gemeinsame Stadtwerksgründungen an. Grundprinzip des Kasseler Energieversorgers ist, den Kommunen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen zu überlassen, in welchem Umfang sie selbst perspektivisch in das operative Geschäft einsteigen möchten. Das kann bedeuten, dass die Städtische Werke AG als technischer Dienstleister auftritt oder dass gemeinsame Unternehmen gegründet werden.

 

Die neun Kommunen Edermünde, Gudensberg, Guxhagen, Körle, Malsfeld, Melsungen, Morschen, Niedenstein und Spangenberg aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben im September 2013 die Fulda Eder-Energie GmbH & Co. KG (FEE) mit dem Ziel gegründet, nach Konzessionsvergabe und Kauf den Netzbetrieb mit eigenem Personal zu gewährleisten. Die Konzessionen sind bereits an die FEE vergeben, auch der Vertrieb ist erfolgreich Mitte 2014 angelaufen. Im Osten Kassels haben sich die beiden Gemeinden Niestetal und Kaufungen für die Städtische Werke AG entschieden. Die Gründung eigener Versorgungswerke erfolgte im Frühjahr 2014.

 

Ausblick – Wachstum und Wettbewerb

Perspektivisch haben die Unternehmen der KVV-Energiesparte gute Wachstumschancen. Sowohl der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Chancen des Netzbetriebes im Umland als auch die positive Kooperation im Rahmen der Stadtwerke Union Nordhessen bieten Potenzial. Ein Risiko ist dagegen die seit Jahren ungelöste Auseinandersetzung im Kartellverfahren wegen angeblich missbräuchlich überhöhter Wasserpreise. Allerdings gibt es wieder Gespräche mit der Landeskartellbehörde.

 

Große Chancen bietet die geplante Kooperation im Aufbau eines gemeinsamen Vertriebs mit der zum 1. Januar 2014 wieder gegründeten EAM. Das Unternehmen, das aus der rekommunalisierten E.ON Mitte hervorgegangen ist, hatte die Vertriebssparte nicht übernommen, sondern sich zum Ziel gesetzt, sie selbst aufzubauen.

 

Mit der Städtische Werke AG wurde ein erfahrener Vertriebspartner gefunden, der ebenso kommunal wie regional verwurzelt ist. Andreas Helbig: „Im EAM-Gebiet leben ungefähr 1,4 Millionen Menschen. Natürlich werden nicht alle wechseln, aber wir werden viele überzeugen können, ihr Geld lieber in der Region zu lassen. Das ist ein riesiges Potenzial.“

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