07.08.2017

Städtische Werke Kassel trotz Preisdruck und gestiegenem Wettbewerb 2016 mit solidem Ergebnis

  • Steigende Absatzzahlen aber sinkende Erlöse
  • Erfolgreicher Ausbau des Windgeschäfts
  • Digitalisierung als Herausforderung
  • Weiterentwicklung des Unternehmens im Rahmen des Programms „KVV 2022 – Fit für die Zukunft“

Kassel, 7. August 2017. Die Städtische Werke AG und ihre beiden großen Tochtergesellschaften, die Städtische Werke Netz + Service GmbH (NSG) und die Städtische Werke Energie + Wärme GmbH (EWG), haben im Geschäftsjahr 2016 einen Jahresüberschuss von 18 Millionen Euro erwirtschaftet. Damit liegt das Ergebnis 13 Millionen unter dem des Vorjahres, das jedoch durch Einmaleffekte ungewöhnlich hoch ausfiel. Sowohl die Absatzmengen des Naturstroms als auch die des Gases sind gestiegen. Spürbar über dem Niveau des Vorjahres lagen auch die Investitionen von 80,8 Millionen Euro gegenüber 67,1 Millionen Euro in 2015. Investiert wurde unter anderem in den Bau von Erneuerbare-Energien-Anlagen, den Ausbau des Kasseler Glasfasernetzes und ein zusätzliches Umspannwerk. Der Personalstand der Energiesparte des KVV-Konzerns sank marginal – von 927 auf 917 Mitarbeiter. Die größte Herausforderung, der sich die Städtische Werke AG und ihre Tochter- und Schwesterunternehmen in den kommenden Jahren stellen werden, ist die Digitalisierung. Im Rahmen des Programms „KVV 2022 – Fit für die Zukunft“ prüfen die Unternehmen aktuell gemeinsam mit der Muttergesellschaft Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV), welche Veränderungen und Maßnahmen notwendig sind, um auch in Zukunft die Kunden wirtschaftlich erfolgreich versorgen zu können.

„Die Absatzmengen bei Strom und Gas sind im Vergleich zum Vorjahr spürbar gestiegen. Wegen des allgemeinen Preisdrucks und Wettbewerbs hat sich das allerdings nicht beim Umsatz und dem Betriebsergebnis ausgewirkt, die gesunken sind. Dennoch sind wir mit dem Jahresergebnis 2016 zufrieden“, betonte Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender der Städtische Werke AG und Geschäftsführer der KVV. Mit dem Vorjahresergebnis von 31 Millionen Euro sei dieses Ergebnis nicht vergleichbar, so Maxelon weiter, da durch außerordentliche Effekte wie die Auflösung von Rückstellungen das Ergebnis im Vorjahr einmalig um 15 Millionen Euro gestiegen sei.

Städtische Werke mit Tochtergesellschaften (konsolidiert)
Stand 31.1220162015
Umsatzerlöse Mio. €422,6437,3
Betriebsergebnis Mio. €31,140,1
Jahresüberschuss Mio. €17,831,1
Investitionen Mio. €80,867,1
Mitarbeiter (inklusive Auszubildende)917927

Absatzmengen
Sparte20162015
Strom (im Netzgebiet)691,7 GWh565,3 GWh
Gas
(inkl. Weiterverteiler)
3.671,3 GWh 
(inkl. 2.399,8 GWh)
3.054,2 GWh
(inkl. 1.867,5 GWh)
Wasser (inkl. KASSELWASSER)11.065.618 m³10.758.217 m³

Windprojekte

Der Windpark Rohrberg bei Helsa ging mit fünf Windkraftanlagen der 3-Megawattklasse im Frühjahr 2016 offiziell ans Kasseler Netz. Im Windpark Stiftswald bei Kaufungen wurden alle der insgesamt neun – baugleichen Anlagen wie auf dem Rohrberg – im Herbst 2016 fertiggestellt. Offiziell ans Netz ging der Windpark Ende September 2016. Insgesamt verfügen beide Windparks über eine installierte Kapazität von 42 Megawatt. Sie produzieren jährlich 114 Gigawattstunden (GWh) Strom (114.000.000 Kilowattstunden) und versorgen damit rechnerisch 38.000 Haushalte. Beide Windparks und der derzeit in Bau befindliche Windpark Kreuzstein mit acht baugleichen Windkraftanlagen, ein Gemeinschaftsprojekt mit den Partnern aus der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN), sind über das neu gebaute Umspannwerk Stiftswald mit dem Umspannwerk Bergshausen verbunden. Hier wird der Strom vollständig ins Kasseler Netz eingespeist. Die Umspannwerke betreibt die Städtische Werke Netz + Service GmbH. Auf dem Steinberg bei Ziegenhagen plant die SUN derzeit einen Windpark mit vier bis fünf Windrädern. Nördlich von Kassel ist die SUN einer der Partner der Energiegenossenschaft Reinhardswald. Dort sollen in den kommenden Jahren an zwei Standorten nach derzeitigen Planungen rund 20 Windkraftanlagen entstehen.

Bäder

Am 1. Mai 2016 hat nach einjähriger Sanierung das Freibad Harleshausen wiedereröffnet –während zugleich Baustart zur Sanierung des Freibads Wilhelmshöhe war. Die zeitige und finanzielle Punktlandung – 3,3 Millionen Euro wurden wie geplant verbaut – ist ein voller Erfolg. Im ersten Jahr besuchten knapp 82.000 Badegäste das neue Freibad. In den letzten fünf Jahren vor der Sanierung wurden durchschnittlich 40.000 Besucher gezählt. Auch das Freibad Wilhelmshöhe wurde wie geplant am 1. Mai 2017 nach einem Jahr wiedereröffnet.

Im Gesamtjahr 2016 besuchten 562.000 Menschen die Kasseler Bäder, 545.000 waren es im Vorjahr. „Das zeigt, dass der Beschluss der Stadt Kassel, die Bäderlandschaft der Stadt komplett neu zu ordnen und großflächig zu sanieren, ein voller Erfolg war“, betont Vorstandschef Maxelon. Im Jahr 2010 war ein Besuchertiefpunkt mit 244.000 Besuchern in damals fünf Bädern erreicht.

Wasserwerk Nieste

In Nieste baut die NSG seit September 2016 ein neues Wasserwerk. Vorteil der erweiterten Wassergewinnungsstätte: Die Brunnen können ohne Pumpen betrieben werden, außerdem fließt das Wasser durch die höhere Lage Niestes ebenfalls ohne Pumpenbetrieb nach Kassel. Das spart Strom. Positiver Nebeneffekt: Die neuen Brunnen können auch bei starkem Regen und damit ganzjährig genutzt werden. Die aktuelle Quellwassergewinnung kann bei kräftigen Regenfällen nicht genutzt werden, da das Wasser eintrübt.

Wasserentgeltrückerstattung

Mit der Landeskartellbehörde haben die Städtischen Werke im September 2015 einen Vergleich geschlossen, rückwirkend 20 Prozent der Wasserentgelte aus dem Zeitraum Januar 2008 bis März 2012 an die damaligen Kunden zu erstatten. Trotz äußerst aufwändiger und komplizierter Ermittlung dieser Kunden wurde die Rückerstattung Ende 2016 im Wesentlichen abgeschlossen. Die Rückerstattung an ehemalige Buwog-Mieter durch den Mieterbund läuft derzeit. Insgesamt wurden die mit der Behörde vereinbarten 17,8 Millionen Euro Mindestrückerstattung vollständig erreicht. „Damit haben wir eine Punktlandung hingelegt, eine Pönale wird nicht fällig“, so Martin Schwegmann, Finanzchef der Städtischen Werke.

Glasfaserausbau Kassel

In Kassel baut die NSG in drei innenstadtnahen Bereichen seit 2016 ein eigenes Glasfasernetz für Haushaltskunden aus. Als Ausbaudauer sind zunächst drei Jahre angesetzt. Durch den direkten Anschluss der Gebäude sollen sehr hohe Bandbreiten ermöglicht werden. Bei Erfolg, und die Kundenresonanz lässt darauf schließen, sollen weitere Ausbaugebiete folgen.

Umlandgemeindewerke

Die NSG hat die Energienetze in Großalmerode zum 1. Januar 2016 übernommen und betreibt sie seitdem erfolgreich. In Kaufungen und Niestetal erfolgte die reibungslose Übernahme von der EnergieNetz Mitte zum Beginn dieses Jahres. Bei der Fulda Eder-Energie mit neun Konzessionen gestaltet sich der Netzrückkauf schwieriger. Hier konnte noch keine Einigung mit dem derzeitigen Netzbetreiber erzielt werden.

Ausblick

Als Tochter der KVV sind die Städtischen Werke Teil der derzeitigen Neuausrichtung des Kasseler Stadtkonzerns. Mit dem Programm „KVV 2022 – Fit für die Zukunft“ will der Konzern sich und seine Beteiligungsgesellschaften stärker an die veränderten Marktbedingungen anpassen und zukunftssicher aufstellen. Grundlage dafür ist eine umfassende wirtschaftliche und strategische Analyse des Konzerns und seiner Geschäftsfelder, die die Kasseler im letzten Jahr durchgeführt haben. Auf deren Ergebnisse wurde für jedes Geschäftsfeld eine spezifische Vorwärtsstrategie entwickelt. Derzeit werden die dafür erforderlichen Maßnahmen dazu erarbeitet und zwischen den Betriebsparteien diskutiert. Im Energiebereich spielen vor allem der gestiegene Wettbewerb und die Anreizregulierung eine bestimmende Rolle bei der Neuausrichtung.

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